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WeinEssen - Mein aktueller Rezeptvorschlag

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Rumfort aus dem Ofen

Ich werde es nie vergessen: Wir waren vor Jahr und Tag bei Werni Tobler in der Braui in
Hochdorf, als er dort noch wirtete. Seinerzeit eine super Adresse für feines Essen und an-
genehmen Aufenthalt. Wenn man dann noch einen Platz am Chef’s Table ergattern
konnte, war das ein Volltreffer.
Es war der Tag vor Wernis Ferien und es gab, was da war. Wir bestellten Gemüse-Lasagne
und freuten uns auf einen schönen Abend.
Was dann aber kam, war grauenhaft. Ein unglaubliches Gematsche aus Weiss-der-Teufel-
Was für Gemüsen; undefinierbar und geschmacklich irgendwo, aber nicht im Ansatz le-
cker. Auf unsere Nachfrage, was er denn da serviert hätte, antwortete Werrni in seiner un-
übertroffenen, noncholanten Art: Rumfort! Alles, was rumliegt und fort muss. Wir waren
bedient!
Zu Wernis Ehrenrettung sei gesagt, das dass sein einziger Ausrutscher und das Gericht sei-
ner Zeit voraus war: Er benutzte halt seine Stammgäste, um Food-Waste zu vermeiden. Ich
kann mich nicht erinnern, dass Food-Waste vor 15 Jahren schon ein Begriff war.
Werner Tobler kocht heute – wie ich mir von glaubhaften Zeugen habe versichern lassen,
immer noch ausserordentlich und fein. Allerdings hat er seinen Arbeitsplatz verlegt und
kocht jetzt sozusagen daheim im Bacchus in Hildisrieden. (Ich hoffe, die Adresse stimmt.
Auf der Homepage sind drei Standorte angegeben, und Werni als Tausendsassa ist immer
überall. Ansonsten kann ein Telefonat hilfreich sein: +41 79 415 45 59) Lesen Sie hier:
https://www.zentralplus.ch/regionales-leben/fuer-werner-tobler-ist-ein-leben-ohne-
hacktaetschli-kein-leben-839075/

Aus dieser Erfahrung heraus probieren wir zuhause öfters mal einen Rumfort-Auflauf aus
dem Ofen. Und erfreuen uns jedes Mal am Genuss und an die genussreichen Stunden bei
Werni.
Für den aktuellen Rumfort fanden wir im Kühlschrank zwei jeweils zur Hälfte aufgeweichte
rote Peperoni. In einem Schüsselchen lagen drei oder vier kalte Gschwellte aus den Vor-
tagen. Champignons, die kurz davor waren, zu Fallschirmen zu werden, fristeten ihr Dasein
in einem Pappschälchen. Im Garten stand noch ein Stock Rosenkohl mit geschossenem
Kopf und einigen kleinen Röschen. Das Weisse einer Lauchstange fand gerädelt ebenfalls
seinen Weg in die Kasserole. Knoblauch und Schalotten sind immer im Haus, ebenso wie
eine gesprosste Zwiebel. Eine alte, verschrumpelte Möhre war auch noch aufzutreiben.
(Ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Würde aber auch nichts machen; der Rumfort ver-
trägt alles!)


Die Gemüse wo nötig putzen und von unschönen und angefaulten Stellen befreien. Die
Rosenkohl-Knospen halbieren und den Kopf zurechtschneiden. Die Champignons vierteln,
die Peperoni stückeln. Zwiebeln halbieren oder vierteln, je nach Grösse. Kartoffeln würfeln,
und den Knoblauch schälen und ganz lassen. Die geschälte Möhre in bissfreundliche Stü-
cke teilen. Zur Geschmacksverstärkung eine Ingwerknolle und einen Kurkuma-Finger fein
über alles drüber reiben.
Das ganze Ensemble in einer Schüssel oder gleich in der Kasserole mischen, salzen und
pfeffern. Alles mit Olivenöl versorgen.
Ab in den Ofen mit der vorbereiteten Kasserole. Den Ofen auf 185° Umluft eischalten und
die Uhr auf 30 Minuten stellen. Zwischendurch immer mal wieder reinschauen, ob sich die
Blättchen des Kohls nicht dunkel verfärben. Wenn dem so ist, kurz mal das Ganze durch-
rühren.
Nach der halben Stunde die Kasserole aus dem Ofen nehmen, noch einmal durchrühren
und ein wenig Bouillon angiessen. Ich habe anfangs weniger Öl genommen, weil die
Bouillon die Kalorien nicht so in die Höhe treibt und das Öl mit der Bouillon eine wundervol-
le Sauce ergibt. Den Rumfort noch einmal eine Viertelstunde bei 160° Umluft im Ofen ga-
ren. Nach meiner Erfahrung dauern die Zwiebeln am längsten. Wenn die Häutchen schlor-
zig sind, ist das Gemüse insgesamt gar.
Separat habe ich Gnocchi (meine der italienischen Sprache nicht mächtige Tante Erika
aus Belgien sagte immer «Knotschi»; das haben wir unter uns beibehalten, und so erinnern
wir uns immer wieder an meine Lieblingstante, die leider viel zu früh verstorben ist.) im ge-
salzenen Wasser kurz aufgekocht. Vorsicht: nicht zu lange kochen, sonst hat man Kartof-
felbrühe!
Rumfort, wenn er gar ist, aus dem Ofen nehmen, mit den Gnocchi vermengen und ge-
niessen.
Dazu haben wir einen Chardonnay vom Weingut Schwedhelm getrunken – Beides saulecker!

 

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Mosel, Carl Loewen

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